BAY.MOTOREN WERKE AG ST05
18.08. 21:55 77,840€ +0,26%
MERCEDES-BENZ GRP NA O.N.05
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Stellantis NV05
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Tesla05
18.08. 21:28 901,200€ +0,58%
VOLKSWAGEN AG VZO O.N.05
18.08. 21:55 148,620€ +0,46%
05.07. 14:21

ROUNDUP: Ende des Elektrobooms? Absatzzahlen bei E-Autos im Juni gesunken


BERLIN/FLENSBURG (dpa-AFX) - Jahrelang stiegen die Neuzulassungen bei Elektroautos teils im dreistelligen Prozentbereich - doch nun schwächelt der Absatz. Zwar kamen mit knapp 83 600 batterieelektrischen Autos (BEV) im ersten Halbjahr 12,5 Prozent mehr neu auf die Straße als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Dienstag mitteilte. Doch mit Blick auf den Einzelmonat Juni verzeichnete die Behörde einen Rückgang von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Neuzulassungen bei reinen Elektroautos rückläufig sind. Aus Sicht von Branchenexperten machen sich Materialengpässe, die seit Monaten die gesamte Industrie belasten, inzwischen auch in diesem Segment bemerkbar. "Die Chipkrise ist längst im Elektrosegment angekommen und bremst dort die Produktion", teilte etwa Peter Fuß von der Beratungsgesellschaft EY am Dienstag mit.

Doch auch auf Nachfrageseite gebe es Veränderungen, betonte am Dienstag der Vizepräsident des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, Thomas Peckruhn. Zum einen schreckten die langen Lieferzeiten Kunden ab. Immer öfter nähmen sie daher einfach, was da sei. Außerdem seien viele verunsichert, ob sie bestellte Autos noch rechtzeitig bekämen, um Förderung zu erhalten, beziehungsweise wie die Förderung in Zukunft aussehen werde.

Hier konterkariere die Bundesregierung ihre eigenen Bemühungen auf dem Weg zur Elektromobilität, kritisierte Peckruhn. Insgesamt sei die Situation für den Handel katastrophal, betonte der ZDK-Vize. Und derzeit sei keine Entspannung in Sicht.

Insgesamt dürften inzwischen rund eine Dreiviertelmillion reine Elektro-Pkw auf deutschen Straßen unterwegs sein. Zwar hat das KBA noch keine Bestandszahlen zum Halbjahr vorgelegt. Doch auf Basis der Neuzulassungen und des Bestands am 1. April lässt sich die Zahl abschätzen.

Nach dem ersten Quartal waren laut KBA in Deutschland 687 241 reine Elektroautos zugelassen. Im Verlauf des zweiten Quartals gab es 83 591 Neuzulassungen. Diese können aber nicht eins zu eins auf den Bestand aufaddiert werden, weil auch Autos abgemeldet werden. In den vergangenen Quartalen lag das Bestandswachstum typischerweise um die 15 Prozent niedriger als die Neuzulassungen.

Damit ergäben sich rund 758 000 reine Stromer auf den Straßen, die Dreiviertelmillion würde selbst dann noch überschritten, wenn der Unterschied zwischen Neuzulassungen und Bestandswachstum bei 24 Prozent läge. Für Plug-in-Hybride ergibt sich bei entsprechender Hochrechnung ein Bestand zwischen 680 000 und 690 000 Fahrzeugen. Damit wächst die Lücke zum reinen Elektroauto weiter an.

Immer deutlicher zeigt sich, "dass die Blütezeit dieser Antriebsart offenbar relativ kurz war", teilte EY-Experte Fuß mit Blick auf die umwelttechnisch umstrittenen Plug-in-Hybride weiter mit. "Ohne Steuerbonus und Umweltprämie dürften Plug-in-Hybride deutlich weniger attraktiv sein - gerade für Dienstwagenfahrer."

Ob der Elektroboom auf dem deutschen Automarkt nachhaltig schwächelt, bleibt abzuwarten. "Die Autohersteller bringen immer mehr attraktive Modelle auf den Markt, zudem führen die hohen Spritpreise zu einem noch größeren Interesse gerade an Elektroautos, während gerade Diesel-Fahrzeuge zunehmend uninteressant werden", betonte Fuß. Der Anteil an den Neuzulassungen von reinen Elektroautos lag im Juni bei 14,4 Prozent - zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahresmonat.

Insgesamt bleibt die Lage für die Autoindustrie angespannt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden laut KBA knapp 1,24 Millionen Neufahrzeuge zugelassen. Das waren demnach elf Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Der Markt fährt auch weiterhin nicht im normalen Modus", teilte der Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), Reinhard Zirpel, am Dienstag mit. "Denn der Absatz wird nicht von der Nachfrage bestimmt, sondern von der eingeschränkten Auto-Produktion."/maa/ruc/DP/jha