20.01. 12:45

Lawrow: Keine russischen Angriffspläne gegen Grönland


MOSKAU (dpa-AFX) - Moskaus Außenminister Sergej Lawrow hat den Vorwurf von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, dass Russland oder China angeblich Grönland angreifen wollen. "Wir haben mit dieser Frage nichts zu tun", sagte Lawrow in Moskau bei seiner Pressekonferenz zum Jahresauftakt. Er zweifle nicht daran, dass auch in Washington sehr gut verstanden werde, dass Moskau und Peking keine solchen Pläne hegten. Russland beobachte die Lage. "Das ist zweifellos eine ernste geopolitische Situation", betonte er.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte noch am Vortag einen Kommentar zu den Vorwürfen eines angeblich geplanten Angriffs Russlands auf Grönland zurückgewiesen. Zugleich sagte der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin, dass Experten zuzustimmen sei, dass Trump mit einer Vereinigung der Insel mit den USA in die Weltgeschichte eingehe. Russland kommen Trumps Ansprüche auf die Arktis-Insel gelegen, weil sie die Aufmerksamkeit der EU-Staaten von Putins Krieg gegen die Ukraine ablenken.

Lawrow vergleicht Krim-Annexion mit Grönland-Frage

Lawrow zog auch Parallelen zur Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland 2014. Die Krim sei für Russlands Sicherheit nicht weniger wichtig als Grönland für die USA. Trump behauptet, er brauche Grönland, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu gewährleisten. Lawrow wies genüsslich auch darauf hin, dass Trump seine eigenen moralischen Maßstäbe zur Grundlage seiner Politik mache - und nicht das internationale Recht.

Der russische Chefdiplomat betonte, dass die Völker das Recht auf Selbstbestimmung hätten. Russland hatte sich die Krim und dann auch in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine die Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson nach international nicht anerkannten Volksabstimmungen einverleibt. Grönland selbst bezeichnete er als "koloniale Eroberung" und "nicht natürlichen Teil" Dänemarks.

Lawrow erklärte, dass Russland in der Arktisregion an einer Zusammenarbeit mit Anrainer-Staaten interessiert sei. In der Region schlummern riesige Rohstoffvorkommen, die die Arktis-Staaten ausbeuten wollen./mau/DP/jha