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Aktien Frankfurt: Anlegerflucht vor Osterwochenende nach Trump-Rede


FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der Rede von US-Präsident Donald Trump zur Nation und daraufhin deutlich steigenden Ölpreisen ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag eingeknickt. Vor dem langen Osterwochenende, in das auch der Ablauf des Ultimatums von Trump im Iran-Krieg fällt, verringern die Anleger ihre Risiken. Am 6. April läuft die von Trump verlängerte Frist zur Zerstörung von Energieanlagen aus, mit der er die Öffnung der Straße von Hormus erzwingen will.

Der Dax fiel am Nachmittag um 2,3 Prozent auf 22.763 Punkte, nachdem er tags zuvor die Marke von 23.000 Punkte übersprungen und in den ersten drei Handelstagen der verkürzten Karwoche um rund viereinhalb Prozent zugelegt hatte. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten verlor am Donnerstag 2,7 Prozent auf 28.416 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx ging es um 2,2 Prozent abwärts.

Die Ölpreise sprangen nach der Trump-Rede erheblich nach oben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juni kletterte zuletzt auf über 109 US-Dollar. Am Vortag war der Preis wegen der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs zeitweise noch unter die Marke von 100 Dollar gefallen.

Trump stellte in seiner Rede zwar erneut ein Ende des Krieges in Aussicht, bekräftigte aber frühere Drohungen. Die USA seien auf dem Weg, alle militärischen Ziele "sehr bald" zu erreichen, sagte er. Bis dahin werde es im Iran noch heftige Angriffe geben, potenziell wie schon angekündigt auch gegen Kraftwerke des Landes. "Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen", sagte Trump.

Die Rhetorik der Rede habe Hoffnungen auf eine rasche Deeskalation deutlich gedämpft, bemerkte Marktanalyst Timo Emden. "Die Gemengelage wirkt wie ein geopolitisches Katz-und-Maus-Spiel, bei dem auf jedes Signal der Entspannung prompt neue Eskalationsrisiken folgen. Statt erhoffter Entspannungssignale überwiegt an den Märkten die Sorge vor einer erneuten Eskalation im Iran-Konflikt. Anleger, die zuletzt auf eine diplomatische Lösung und eine Beruhigung der Lage gesetzt hatten, sehen sich nun eines Besseren belehrt", so Emden.

Aktien aus dem Chipsektor leiden unter der Angst vor länger anhaltenden Störeffekten durch den Iran-Krieg. Jene von Infineon büßten 6,1 Prozent ein. Für die Ausrüsterwerte Aixtron , Suss und PVA Tepla ging es um bis zu 9,4 Prozent bergab. Marktbeobachter Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets führt die Branchenverluste am Donnerstag darauf zurück, dass der Technologiesektor relativ zinsempfindlich ist und daher stärker auf hohe Energiepreise reagiert.

Die Papiere der Deutschen Börse stiegen gegen den schwachen Markttrend auf den höchsten Stand seit Ende August und notierten zuletzt 0,4 Prozent im Plus. Die starken Schwankungen an den Finanzmärkten weckten wieder Enthusiasmus für die Papiere von Börsenbetreibern, konstatierte Barclays-Analystin Grace Dargan. Der Iran-Krieg sorge für starke Marktvolatilitäten und treibe damit auch die Handelsaktivität an.

Für die Aktien von Kion ging es nach einem Analysten-Briefing zu den anstehenden Quartalszahlen um 7,8 Prozent nach unten. Kritisch gesehen wurden Aussagen zur Gabelstapler-Sparte ITS, in der sich rückläufige Auftragseingänge abzeichneten. Wie Akash Gupta von JPMorgan schrieb, erwartet das Unternehmen zwar keine direkten Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Lieferketten, berücksichtigt aber eine schwächere Nachfrage - und dies hauptsächlich im Geschäftsbereich ITS. Davon in Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Anteile des Konkurrenten Jungheinrich , die zuletzt 5,7 Prozent verloren.

Die Titel der Lufthansa reagierten mit einem Kursrückgang von 4,9 Prozent auf eine Analysten-Abstufung und wieder steigende Ölpreise. Die US-Investmentbank Morgan Stanley stufte die Papiere der Kranich-Linie von "Overweight" auf "Equal-Weight" herunter und reduzierte das Kursziel von 9,40 auf 7,50 Euro. Begründet wurde dies mit Risiken, dass die Treibstoffkosten aufgrund des Konflikts im Nahen Osten über einen längeren Zeitraum hinweg deutlich höher ausfallen könnten.

Die Papiere von Mutares sackten zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit November ab und büßten zuletzt 6,7 Prozent auf 26,30 Euro ein. Die Beteiligungsgesellschaft platzierte im Rahmen der am Vorabend angekündigten Kapitalerhöhung 1,1 Millionen neue Aktien bei institutionellen Anlegern. Der Platzierungspreis wurde auf 24,50 Euro je neuer Aktie festgelegt./edh/jha/

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---