ROUNDUP: Novo Nordisk erhöht erneut Prognose - Anleger dennoch enttäuscht
BAGSVAERD (dpa-AFX) - Novo Nordisk
Die Novo-Nordisk-Aktie verlor am Mittwoch zunächst bis zu viereinhalb Prozent auf 293,50 dänische Kronen. Damit beendete das Papier die jüngste Erholung von dem im März erreichten Mehrjahrestief in Höhe von 224 Kronen. Das Papier hat seit Juni 2024 einen schweren Stand am Finanzmarkt. Damals war die Aktie im Zuge des Booms um die Abnehmmedikamente und der massiven Rally der Novo-Nordisk- und Lilly-Papiere zeitweise über die Marke von 1.000 Kronen geklettert. Mit einem Börsenwert von umgerechnet mehr als 500 Milliarden Euro war Novo Nordisk im Sommer 2024 das wertvollste Unternehmen Europas.
In den Monaten und Jahren danach stürzte die Novo-Nordisk-Aktie wegen verfehlter Forschungserwartungen, eines massiven Preisdrucks auf dem US-Markt, der Aufholjagd der Konkurrenz und mehrerer Umsatz- und Gewinnwarnungen massiv ab. Derzeit kommt das Unternehmen nur noch auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet knapp 180 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert des US-Konzerns Lilly zog seit Ende Juni 2024 um rund ein Viertel auf 1,05 Billionen Dollar oder etwas mehr als 900 Milliarden Euro an.
UBS-Experte Matthew Weston bezeichnete die Entwicklung von oralem Wegovy als enttäuschend. Die Zahlen zum zweiten Quartal bewertete er "bestenfalls als gemischt". Zwar habe Novo Nordisk den Jahresausblick angehoben, doch beruhe dies vor allem auf positiven Sondereffekten wie einer Brutto-zu-Netto-Anpassung in den USA sowie einem günstigen Umsatzmix. Zudem ließen neue Studiendaten zum Adipositas- und Diabetesmittel Cagrisema weitere Zweifel an der Stärke der Produktpipeline aufkommen, schrieb der Analyst. Cagrisema hatte in der Studie im Vergleich zum Konkurrenzprodukt Zepbound des US-Konzerns Lilly schlechter abgeschnitten.
Auch die schnelle Markteinführung der Wegovy-Tablette hatte bei den Anlegern die Hoffnung auf einen deutlich stärkeren Erfolg geweckt, da Novo Nordisk im Wettbewerb mit Lilly Marktanteile zurückgewinnen will. Das Ergebnis schürte jedoch Sorgen über die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
JPMorgan-Analyst Richard Vosser sieht die Quartalszahlen zwar deutlich über den Erwartungen. Die Prognoseanhebung dürfte zu höheren Marktschätzungen führen, schrieb er. Der Fokus der Anleger verlagere sich aber zunehmend auf die Entwicklung der US-Verschreibungen für orales und injizierbares Wegovy im zweiten Halbjahr 2026.
Novo Nordisk rechnet bei dem um Währungseffekte bereinigten Umsatz jetzt maximal mit einem Rückgang um sechs Prozent. Im besten Fall dürfte der Erlös zu konstanten Wechselkursen auf dem Vorjahresniveau stagnieren, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Zuvor hatte Novo Nordisk bereits aufpoliert und mit einem Umsatzrückgang von bis zu zwölf Prozent gerechnet. Anfang des Jahres waren es sogar noch bis zu 13 Prozent gewesen. Auch beim operativen Gewinn geht Konzernchef Maziar Mike Doustdar jetzt nur noch von einem Rückgang von maximal sechs Prozent aus.
Im zweiten Quartal legte der um Sondereffekte bereinigte Erlös um sechs Prozent auf 78,5 Milliarden dänische Kronen (10,5 Mrd Euro) zu. Ohne die Umrechnungsfolgen durch die starke heimische Krone wäre der Umsatz sogar um sieben Prozent gestiegen. Der bereinigte operative Gewinn zog um acht Prozent auf 33,4 Milliarden Kronen an. Beide Werte fielen zwar höher als von Experten erwartet aus, die mit der Wegovy-Pille erzielten 3,2 Milliarden Kronen wiederum nicht./tav/zb/mis