Deutsche Chemie wird Krisenprofiteur des Iran-Kriegs
MĂNCHEN (dpa-AFX) - Die Stimmung in der krisengeplagten deutschen Chemieindustrie hat sich schlagartig aufgehellt: Erstmals seit vier Jahren schĂ€tzten die Chemieunternehmen ihre aktuelle GeschĂ€ftslage im zu Ende gehenden August wieder positiv ein, wie das MĂŒnchner Ifo-Institut mitteilte. Der Indikator ist von minus 14,6 Punkten im Juli auf nunmehr plus 11,6 Punkte gestiegen. Ursache sind demnach durch den Iran-Krieg bedingte AusfĂ€lle asiatischer Lieferungen. Der aus aktueller GeschĂ€ftslage und den Erwartungen fĂŒr die kommenden Monate zusammengesetzte Indikator fĂŒr das GeschĂ€ftsklima in der Branche stieg von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte.
Asiatische Konkurrenz leidet schwer unter Iran-Krieg
Ifo-Wissenschaftlerin Anna Wolf sprach von einer "Sonderkonjunktur". Denn der Iran-Krieg und die Sperrung der StraĂe von Hormus haben die Lieferung von Erdgas und anderen chemischen Grundstoffen nach Asien schwer beeintrĂ€chtigt. Folge sind ProduktionsrĂŒckgĂ€nge. AuĂerdem hatte China AusfuhrbeschrĂ€nkungen fĂŒr SchwefelsĂ€ure erlassen, eine fĂŒr die DĂŒngerherstellung und etliche andere Produkte benötigte Chemikalie.
Und da die mit dem Iran verbĂŒndeten Huthi-Rebellen im Jemen nach wie vor die Schifffahrt im Roten Meer und damit den Zugang zum Suezkanal bedrohen, nehmen viele Schiffe aus Asien den weiten Umweg um die SĂŒdspitze Afrikas, mit entsprechend höheren Kosten und lĂ€ngeren Lieferzeiten.
Grundlegende Probleme in Deutschland ungelöst
Da kein Ende des Kriegs in Sicht ist, rechnen die deutschen Chemieunternehmen laut Ifo mit einer Fortsetzung der Sonderkonjunktur. Das bedeutet demnach jedoch nicht, dass die grundlegenden Strukturprobleme in Deutschland gelöst wÀren. Der Umfrage zufolge ist daher weiterer Stellenabbau in der Chemiebranche zu erwarten.
Das Ifo-Institut befragt fĂŒr seine Konjunkturprognosen jeden Monat mehrere tausend Unternehmen in allen Branchen auĂer der Landwirtschaft./cho/DP/mis