09.10. 08:31

OTS: BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen / Bei verhaltenem ...


Bei verhaltenem Geschäftsklima zeigt die Branche viel Schwung in der
operativen KI-Nutzung und arbeitet an der Verbesserung der
strategischen KI-Steuerung
Bonn (ots) - Der aktuelle Geschäftsklimaindex (GKI) für den Consultingmarkt, der
vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) quartalsweise erhoben
wird, bleibt im dritten Quartal 2026 mit einem leichten Rückgang um 0,2 Punkte
auf 87,7 im bereits bekannten Seitwärtstrend verhaftet (Q2/2026: 87,9). Erstmals
seit dem dritten Quartal 2020 liegt der BDU-Geschäftsklimaindex jedoch unter dem
ifo-Geschäftsklimaindex, der auf 89,9 Punkte gestiegen ist. Während die aktuelle
Geschäftslage von den Beratungen etwas schwächer beurteilt wird, haben sich die
Erwartungen für die kommenden sechs Monate aufgehellt. In einer Zusatzbefragung
hat der BDU zudem untersucht, wie weit KI bereits vom Tool zum "Betriebssystem"
der Beratungsunternehmen geworden ist. Das Ergebnis: Operativ ist KI bereits
breit im Einsatz, bei der gezielten strategischen Steuerung besteht dagegen noch
Nachholbedarf.

"Der Consultingmarkt zeigt sich weiterhin verhalten, aber stabil. Positiv ist,
dass die Beratungen wieder etwas zuversichtlicher auf die kommenden sechs Monate
schauen", kommentiert BDU-Präsidentin Iris Grewe die aktuellen Zahlen des GKI.
"Die positiveren Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stimmen
zuversichtlich. Die Consultingbranche ist typischerweise ein Trendfolger: Zieht
die Wirtschaft an und investieren die Unternehmen stärker, spiegelt sich das mit
einem zeitlichem Versatz in der Regel in der Nachfrage nach Beratungsleistungen
wider", so Grewe weiter.

Sanierungsberatung legt deutlich zu

Zwischen den Beratungsfeldern zeigen sich weiterhin deutliche Unterschiede. Am
stärksten entwickelt sich die Sanierungsberatung: Ihr GKI steigt um 7,1 Punkte
und erreicht mit 110 den höchsten Wert aller Beratungsfelder. Gleichzeitig hat
sich die aktuelle Geschäftslage deutlich verbessert: 59 Prozent der
Sanierungsberatungen bewerten sie als über Budget, nach 38 Prozent im
Vorquartal. Auch die Strategieberatung (+1,8 Punkte auf 95) und die HR-Beratung
(+6,0 Punkte auf 85) legen zu. Rückgänge verzeichnen dagegen die IT-Beratung
(-1,8 Punkte auf 88) sowie die Organisations- und Prozessberatung (-2,1 Punkte
auf 83). Insgesamt fällt der Ausblick in vier von fünf Beratungsfeldern besser
aus als die Einschätzung der aktuellen Lage.

Bei den Unternehmensgrößen stechen die großen Beratungen mit mehr als 50
Millionen Euro Jahresumsatz hervor. Ihr Geschäftsklimaindex steigt um 11,2
Punkte auf 99. Gleichzeitig erwarten nur noch fünf Prozent eine Verschlechterung
ihrer Geschäfte in den kommenden sechs Monaten, nach 32 Prozent im Vorquartal.

Hohe Nachfrage aus Rüstungsindustrie und öffentlichem Sektor

Die höchste Nachfragedynamik verzeichnen die Beratungen derzeit in der
Rüstungsindustrie: 88 Prozent der dort aktiven Befragten beurteilen die
Nachfrage als sehr gut oder gut. Es folgen die Energie- und
Versorgungswirtschaft sowie Non-Profit-Organisationen und öffentliche
Institutionen mit jeweils 39 Prozent. Schwach bleibt die Nachfrage insbesondere
aus klassischen Industriebranchen: In der Chemie bewerten 16 Prozent die
Nachfrage als sehr gut oder gut, im Maschinenbau 14 Prozent und im Fahrzeugbau
sieben Prozent.

KI: Breiter Einsatz, aber strategisches Ziel häufig noch unklar

Die aktuelle Zusatzbefragung zeigt, dass Künstliche Intelligenz in den
Beratungsunternehmen nahezu flächendeckend angekommen ist. Nur rund ein Prozent
der Umfageteilnehmer setzen KI derzeit überhaupt nicht ein. Vier von zehn
Beratungen haben KI bereits in Arbeits- oder Projektprozesse integriert oder
strategisch im Unternehmen verankert, weitere 40 Prozent setzen sie systematisch
in ausgewählten Bereichen ein.

Dabei zeigt sich eine Lücke zwischen operativer Nutzung und strategischer
Steuerung: 80 Prozent haben KI-Anwendungen gezielt ausgewählt und
bereitgestellt, 71 Prozent verfügen über verbindliche Regeln für die interne
Nutzung und 66 Prozent qualifizieren ihre Mitarbeitenden systematisch.
Demgegenüber steuern nur 36 Prozent ihren KI-Einsatz bereits anhand klar
definierter Ziele oder Prioritäten.

"Bei KI laufen derzeit fast alle los: Sie führen Tools ein, schaffen Regeln und
schulen ihre Teams. Gleichzeitig ist vielen Unternehmen noch nicht eindeutig
klar, welches strategische Ziel sie mit dem Einsatz erreichen wollen. Die
nächste Entwicklungsstufe wird deshalb davon geprägt sein, die breite Nutzung in
Richtung eines zielgerichteten und messbaren Einsatzes weiterzuentwickeln", sagt
die BDU-Präsidentin.

Der bislang deutlichste Nutzen liegt in der Produktivität: 86 Prozent erkennen
einen Mehrwert durch Zeitersparnis und höhere Produktivität, 60 Prozent durch
effizientere Beratungsprojekte. Wie hoch der Nutzen insgesamt ausfällt, wird
dagegen zurückhaltender bewertet: Lediglich 31 Prozent der Unternehmen sehen
derzeit einen eher hohen oder sehr hohen Mehrwert. Zudem wird der Erfolg bislang
selten systematisch gemessen. Mehr als die Hälfte der Beratungen beurteilt ihn
vor allem anhand einzelner Erfahrungen und Rückmeldungen.

KI verändert damit aktuell vor allem die Arbeitsweise der Beratungen und noch
nicht die Geschäftsmodelle. Neue Preis-, Erlös- oder Geschäftsmodelle spielen
trotz ihrer Wichtigkeit bislang noch eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig
erwarten die Beratungen eine deutlich tiefere KI-Integration: Knapp drei Viertel
gehen davon aus, dass KI in etwa zwei Jahren fest in Arbeits- und
Projektprozesse integriert oder strategisch im Unternehmen verankert sein wird.
Aktuell sind es 40 Prozent.

Über den BDU: Im Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V. sind
aktuell rund 600 Unternehmen mit 19.000 Beraterinnen und Beratern organisiert.
Damit zählt der BDU weltweit zu den drei führenden Wirtschafts- und
Berufsverbänden der Consultingwirtschaft.

Zur Systematik: Der an die Systematik des ifo-Instituts angelehnte
BDU-Geschäftsklimaindex (GKI) erscheint quartalsweise und bildet die aktuelle
wirtschaftliche Lage und die Erwartungen der Branche an die geschäftliche
Entwicklung ab.

Beratungsfelder: Organisations- und Prozessberatung, Strategieberatung,
IT-Beratung, HR-Beratung, Sanierungsberatung

Teilnehmende: An der Befragung haben sich insgesamt 198 Beraterinnen und Berater
beteiligt.

Pressekontakt:

Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V.
Carsten Becher
Joseph-Schumpeter-Allee 29 | 53227 Bonn
T +49 (0) 228 9161-25 | mailto:carsten.becher@bdu.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/9562/6367838
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