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Coface Risk Review: Geopolitische Krisen treiben Preise und Zinsen /
Länderrisiko für sieben Volkswirtschaften angepasst (FOTO)
Mainz (ots) - Die geopolitischen Spannungen haben sich im Verlauf des Sommers
deutlich verschärft und bremsen zunehmend die Weltwirtschaft. Steigende Energie-
und Rohstoffpreise, anhaltender Inflationsdruck sowie restriktivere
Finanzierungsbedingungen belasten Unternehmen und Staaten gleichermaßen. Der
internationale Kreditversicherer Coface erwartet, dass allein der Nahostkonflikt
das globale Wachstum in den Jahren 2026 und 2027 um insgesamt 0,5 Prozentpunkte
mindern wird. Vor diesem Hintergrund hat Coface die Risikobewertung für drei
Golfstaaten herabgestuft.
Zwischen Inflationsdruck und steigenden Zinsen
Die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zwischen dem Iran und den USA sowie die
weitere Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine haben die
globalen Lieferketten erheblich belastet und die Rohstoffpreise in die Höhe
getrieben. Trotz einer deutlichen Erholung der Ölexporte durch die Straße von
Hormus und der Umleitung von Handelsströmen sind die Preise für Energierohstoffe
massiv gestiegen. "Der Ölpreis hat um mehr als 50 Prozent zugelegt, während sich
die Erdgaspreise nahezu verdoppelt haben. Auch Industriemetalle bleiben teuer",
sagt Coface-Volkswirt Markus Kuger. Bei Agrarrohstoffen zeigt sich ein ähnliches
Bild: Nach Angriffen auf Häfen am Schwarzen Meer und Hitzewellen in Europa sind
die Preise deutlich gestiegen. So lag der Weizenpreis stellenweise rund 40
Prozent über dem Vorjahresniveau.
Die stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise haben die Sorge vor einem
erneuten Inflationsschub verstärkt. Vor diesem Hintergrund halten die
Zentralbanken an ihrem restriktiven geldpolitischen Kurs fest. Sowohl die
US-Notenbank Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank erhöhten ihre
Leitzinsen zuletzt um jeweils 25 Basispunkte. Dadurch verteuerten sich die
Finanzierungskosten für Unternehmen und Staaten weltweit weiter.
"Trotz dieser Belastungsfaktoren zeigt sich die Weltwirtschaft bislang
bemerkenswert widerstandsfähig. Vor allem Investitionen in Künstliche
Intelligenz sowie die positive Entwicklung an den Finanzmärkten stützen die
Konjunktur", erklärt Markus Kuger. Dennoch hinterlässt der Nahostkonflikt
deutliche Spuren: Coface beziffert den Wachstumsverlust für die Weltwirtschaft
in den Jahren 2026 und 2027 auf insgesamt 0,5 Prozentpunkte. Für 2026 rechnet
der Kreditversicherer weiterhin mit einem weltweiten Wachstum von 2,5 Prozent
nach 2,8 Prozent im Jahr 2025. Für 2027 wird eine Stabilisierung bei 2,6 Prozent
erwartet.
Weltwirtschaft entwickelt sich mit unterschiedlichem Tempo
Trotz eines insgesamt robusten globalen Wachstums fallen die Auswirkungen der
geopolitischen Spannungen und des Inflationsdrucks regional sehr unterschiedlich
aus. In den USA zeigt sich die Wirtschaft weiterhin widerstandsfähig. Gestützt
durch den privaten Konsum, Investitionen in KI-Technologien und einen
Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung bleibt das Wachstum robust. Europa
entwickelt sich ebenfalls etwas besser als erwartet. Vor allem die deutsche und
die spanische Wirtschaft erweisen sich als stabil, während die angespannte
Haushaltslage Frankreichs weiterhin Anlass zur Sorge gibt.
In Asien bleibt das Bild gemischt. Vietnam und Indien profitieren von
umfangreichen Infrastrukturinvestitionen und der hohen Nachfrage nach
KI-bezogenen Technologien. Gleichzeitig schwächt sich die Binnennachfrage in
China weiter ab. Auch Thailand und die Philippinen spüren die Belastungen durch
steigende Energiepreise und einen nachlassenden Konsum.
In Afrika und Lateinamerika bleibt die Inflation das zentrale Risiko. Höhere
Energie- und Lebensmittelpreise treffen Wirtschaft und Verbraucher
gleichermaßen. Die Auswirkungen von El Niño verschärfen den Kostendruck
zusätzlich und engen den Handlungsspielraum vieler Staaten weiter ein.
Länderrisiko: Drei Herabstufungen im Nahen Osten
Besonders stark wirken sich die geopolitischen Spannungen auf die Golfstaaten
aus. Das Länderrisiko beschreibt das allgemeine Umfeld eines Landes, um lokale
Kreditrisiken zu bewerten und einordnen zu können. Vor diesem Hintergrund hat
Coface die Länderrisikobewertung Saudi-Arabiens von A3 auf A4 herabgestuft.
Ausschlaggebend sind die hohe Anfälligkeit der Energieinfrastruktur sowie
Risiken entlang zentraler Exportwege. Die Vereinigten Arabischen Emirate wurden
von A2 auf A3 und Katar von A3 auf A4 zurückgestuft. Beide Länder sind in hohem
Maße vom Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus abhängig und daher besonders
anfällig für weitere Störungen.
Neben den Herabstufungen hat Coface auch vier Länder aufgewertet. Die Bahamas
wurden von B auf A4 angehoben, gestützt durch eine robuste Tourismusbranche und
solide wirtschaftliche Fundamentaldaten. El Salvador verbessert sich von D auf
C, nachdem sich die makroökonomische Lage spürbar stabilisiert hat. Montenegro
steigt von C auf B auf, getragen von einer positiven Entwicklung bei Tourismus
und Investitionen. Sambia verbessert sich von D auf C. Ausschlaggebend sind
Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung und eine stabilere
Schuldenentwicklung.
Druck auf Agrarwirtschaft wächst
Auch die Agrar- und Ernährungswirtschaft gerät weltweit zunehmend unter Druck.
Coface hat den Sektor in insgesamt sechs Ländern herabgestuft. Die Ursachen
unterscheiden sich dabei von Region zu Region: Während in Frankreich, Österreich
und Polen die extremen Wetterereignisse des Sommers 2026 die Landwirtschaft
erheblich belasteten, wirken sich in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten vor allem die hohe Abhängigkeit von Lebensmittelimporten
sowie steigende Beschaffungskosten negativ aus. In Argentinien sieht sich die
Branche weiterhin mit einem schwierigen Finanzierungsumfeld, mehreren
Unternehmensinsolvenzen, hohen Kosten und rückläufigen Margen konfrontiert.
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