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KI-Boom lässt Strombedarf von Rechenzentren stark steigen


BERLIN (dpa-AFX) - Der rasante Siegeszug von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten lässt den Strombedarf deutscher Rechenzentren in den kommenden Jahren drastisch steigen. Nach Erhebungen des Digitalverbands Bitkom benötigen Rechenzentren und kleinere IT-Installationen im laufenden Jahr 2026 hierzulande rund 23 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das entspricht in etwa dem gesamten Jahresstromverbrauch von rund 6,5 Millionen Haushalten - also mehr als allen Privathaushalten in ganz Nordrhein-Westfalen oder Bayern.

Bis 2030 wird ein Anstieg auf 35 bis 38 Milliarden Kilowattstunden erwartet, bis 2035 könnte der Bedarf sogar auf 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden anwachsen. Zugleich schlägt die Branche Alarm: Mangelnde Netzkapazitäten und langwierige Genehmigungsverfahren drohen zum massiven Flaschenhals für den Digitalstandort zu werden.

"Der KI-Wettbewerb ist auch ein Wettbewerb um Rechenleistung. Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert auch bei KI schnell den Anschluss", sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst auf einer Pressekonferenz am Rande des Digitalgipfels der Bundesregierung. Um im internationalen Vergleich Schritt zu halten, forderte der Verband gezielte Entlastungen bei den Strompreisen, etwa über eine Senkung der Stromsteuer oder einen Industriestrompreis für Rechenzentren, sowie schnellere Planungsverfahren.

Stromnetze als größter Bremsklotz beim Ausbau

Nach Angaben des Verbands sind Engpässe bei der Stromversorgung inzwischen das dominierende Hindernis für neue Projekte. Rund 80 Prozent der befragten Betreiber und Branchenexperten stuften die begrenzten Netzanschlusskapazitäten in einer aktuellen Studie des Borderstep Instituts als größte Herausforderung ein.

Kilian Wagner, Bereichsleiter für nachhaltige digitale Infrastrukturen beim Bitkom, betonte, man habe im Grunde gar nicht die Wahl, ob diese Rechenzentren entstehen - sondern lediglich, wo: "Die Unternehmen werden ihre digitale Transformation nicht zurückstellen, und wir als Privatbevölkerung werden nicht weniger digitale Dienste nutzen, nur weil wir nicht genug Rechenzentren in Deutschland haben. Dann werden wir einfach nur abhängiger und die Rechenzentren stehen im Ausland."

KI vervielfacht Hunger nach Rechenleistung

Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Boom generativer und industrieller KI-Anwendungen. Während 2026 rund 20 Prozent der gesamten deutschen Rechenzentrumskapazität für KI und Höchstleistungsrechnen genutzt werden, soll dieser Anteil bis 2035 auf 55 Prozent steigen. In der absoluten Anschlussleistung bedeutet dies nahezu eine Verachtfachung von heute 670 Megawatt auf rund 5.300 Megawatt. Parallel dazu klettern die Investitionen in deutsche Rechenzentren 2026 auf ein Rekordniveau von 23,5 Milliarden Euro - ein Plus von 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz des rasant wachsenden Bedarfs verweist der Bitkom auf deutliche Effizienzfortschritte: Der Energieverbrauch steige unterproportional zur tatsächlichen Rechenleistung. So arbeiten moderne Server inzwischen bis zu dreimal so energieeffizient wie Systeme aus dem Jahr 2021. Auch der sogenannte PUE-Wert (Power Usage Effectiveness, also Stromnutzungseffizienz), der den Energieaufwand für die Infrastruktur wie Kühlung im Verhältnis zur Serverleistung misst, sank seit 2020 von 1,63 auf 1,42.

Wasserverbrauch und Abwärme im Fokus

Zurückhaltend äußerte sich der Verband zu Befürchtungen über übermäßigen Wasserverbrauch durch moderne Anlagen. Zwei Drittel (65 Prozent) der Rechenzentren in Deutschland wiesen einen sehr geringen Wasserverbrauch von höchstens 0,1 Litern pro Kilowattstunde auf. Ein nennenswerter Wasserbedarf entstehe vor allem bei der Verdunstungskühlung, die hierzulande jedoch nur von rund einem Drittel der Anlagen genutzt werde./chd/DP/zb